Die vergiftete Atmosphäre. Ich erinnere
mich, einst die Grotto del Cane in der Nähe von Neapel besucht zu haben. Es ist eine ganz
natürliche Höhle, welche aber zum Teil mit einer sehr giftigen Atmosphäre gefüllt ist.
Da das Kohlenstoffgas schwerer ist als die gewöhnliche Luft, so lagert sich diese nach
unten bis zu einer Höhe von drei bis vier Fuß. Wenngleich nun ein Mann in aufrechter
Stellung ohne Nachteil für sich hindurchgehen kann, so können ihm doch wenige Sekunden
ungemein verhängnisvoll werden, sobald es ihm einfallen sollte, sich ein wenig
niederzusetzen, oder gar hinzulegen.
Wenn wir unser Haupt dem Himmel zugewandt und oberhalb der giftigen Ausdünstung, die uns
überall hier unten umgibt, behalten, so können wir ungefährdet durch diese Welt
hindurchkommen. Sobald es uns aber einfallen sollte, hier unsere Ruhe zu suchen und die
vergiftete Atmosphäre einzuatmen, ist unser Leben in der größten Gefahr.
Die Gefahr der Vergnügungen. Man sagt uns, daß da, wo die schönsten Kakteen wachsen, an der Wurzel jeder Pflanze die giftigste Schlange zu finden ist. So ist es mit der Sünde. Eure schönsten Vergnügungen beherbergen eure größten Gefahren. Gebt acht auf eure Vergnügungen, gebt acht! In Kleopatras Blumenkorb lag die todbringende Natter verborgen, und so schlummern in den Blumen weltlicher Freuden eure Sünden.
- Franz von Sales hat sehr schön gesagt, daß wie die Perlmuschel im Meer lebt, ohne auch nur einen Tropfen Salzwasser in sich aufzunehmen, und wie die Feuerfliege in die Flammen fliegt, ohne ihre Schwingen zu verbrennen, auch ein gottseliger Mensch sehr wohl in der Welt leben kann, ohne sich mit der Welt zu verbinden, und durch die Flammen irdischer Begierden und Lüste hindurcheilen kann, ohne daß er sich die Schwingen der glühenden himmlischen Wünsche und eines gottseligen Lebens versengt.
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